Samstag 24 Juni 2017
Montag, 08 Dezember 2014 00:00

Die Vorhaut in Kindheit und Jugend

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Bei den allermeisten Jungen ist die Vorhaut bei der Geburt noch nicht zurückziehbar. Die innere Vorhaut ist mit der Eichel noch fest verbunden (etwa so, wie Fingernägel mit dem Nagelbett). Außerdem ist die Vorhautöffnung bzw. der „Vorhautrüssel“ noch zu eng bzw. zu wenig dehnbar, um über die Eichel zu passen (Phimose oder „Vorhautverengung“).

Man spricht hier von einer natürlichen oder physiologischen Phimose. Dies ist kein „Fehler“ der Natur, sondern ein gewollter und sinnvoller Zustand im Rahmen der gesunden Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane.

Die hochsensible Eichel sowie die Harnröhrenöffnung werden auf diese Weise vor den Ausscheidungen in der Windel, Umwelteinflüssen und Verletzungen geschützt.

Bei den meisten Jungen löst sich die Verbindung von Vorhaut und Eichel durch natürliche Prozesse bereits in den ersten Lebensjahren von selbst. Ganz allmählich wird die Vorhaut weiter und dehnbarer. Manchmal können die Weitung und der Ablösungsprozess bis in die Teenager-Jahre (Pubertät) andauern. Laut einer dänischen Studie kann die Vorhaut im Durchschnitt erst mit 10,4 Jahren ganz hinter die Eichel zurückgezogen werden.

Verklebungen zwischen Vorhaut und Eichel lösen sich in der Regel nicht „von einem Tag auf den anderen“. Manchmal ist die Vorhaut zuerst vorne ein Stück zurückziehbar, manchmal auch nur auf einer Seite oder nur auf der Oberseite der Eichel. Im Lauf dieser Entwicklung kann sich die Vorhaut beim Wasserlassen aufblähen oder der Junge „pullert schief“.

Bei manchen Jungen bilden sich sogenannte Smegmaperlen oder Smegmakügelchen unter der verklebten Vorhaut. Sie bestehen aus den abgestoßenen Zellen der Verbindung von Vorhaut und Eichel und wandern allmählich zur Vorhautöffnung, bis sie eines Tages herauskommen. Smegmaperlen sind nicht unhygienisch, riechen nicht und enthalten keine Bakterien.

Wenn sich ein Teil der Verklebungen plötzlich löst, kann das zu einem kleinen „Aua“ am Penis führen (Ziepen, Zwicken, Berührungsempfindlichkeit). Das sind in aller Regel nur kurze Episoden, die mit etwas Pflege (Bad in klarem Wasser oder mit Kamille, Heilsalbe, windelfreie Zeit) innerhalb von einem, maximal zwei Tagen vorübergehen. Es handelt sich dabei nicht um eine ernsthafte Entzündung der Vorhaut und schon gar nicht um einen Beschneidungsgrund. Die zunächst extreme Berührungsempfindlichkeit der Eichel lässt innerhalb einiger Tage nach.

Solange ein Junge keine anhaltenden Schmerzen hat und ohne Probleme „Pipi machen“ kann, muss nicht eingegriffen werden. Auch ein erzwungenes Zurückziehen der Vorhaut durch die Eltern oder den Arzt als „Training“ oder zum Reinigen ist unnötig. Es kann sogar schädlich sein, da es unbemerkt zu haarfeinen, mit bloßem Auge gar nicht sichtbaren Einrissen des empfindlichen Gewebes kommen kann. Die Vorhaut kann sich entzünden und/oder es können sich Narben bilden, die schlimmstenfalls zu einer erworbenen bzw. einer Narbenphimose führen: Das entstandene Narbengewebe zieht sich zusammen und bewirkt so eine Verengung der Vorhaut.

Um Schmerzen und Schäden an der Vorhaut zu vermeiden, sollte das Zurückziehen der Vorhaut ganz dem Jungen selbst überlassen werden. Nur der Junge selbst kennt seine Schmerzgrenze. Die meisten kleinen Jungen fördern durch Spielen und Experimentieren mit ihrem Penis instinktiv den natürlichen Dehnungs- und Ablösungsprozess der Vorhaut. Das sollte von Eltern bzw. Betreuern also toleriert werden. Sehr kleine Jungen ziehen die Vorhaut meist vom Körper weg. Dadurch helfen sie instinktiv, die Verklebungen zu lösen. Später entdecken sie dann, dass die Vorhaut auch zurückgezogen werden kann. Wenn sie alt genug sind, sollten sie altersgerecht erklärt (oder vom Papa vorgeführt) bekommen, dass die Vorhaut eines Tages bis hinter die Eichel zurückziehbar sein wird.

Jungen, bei denen der Ablösungsprozess im Gange ist, dürfen ruhig öfters und ausgiebig baden. Sie können dabei selbst versuchen, ihre Vorhaut vorsichtig soweit zurück zu ziehen, wie dies schmerzfrei möglich ist. Dabei soll der Junge aber nicht bedrängt werden.

Gelesen 7359 mal Letzte Änderung am Montag, 08 Dezember 2014 21:12
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