Änderungen
Vor der Beschneidung hatte ich nie Probleme damit, wenn mich beim Umziehen jemand nackt sah. Das hatte nun ein jähes Ende gefunden. Wenn ich mich umziehen wollte, flog z. B. zu Hause grundsätzlich jeder andere aus meinem Zimmer heraus, was auch meine Eltern einschloss.
Ich schämte mich dafür und ich wollte nicht, dass es jemand sieht. Ich wollte es selbst weder sehen noch anfassen. Für mich war es nur noch ein Ding, das halt an mir dran hing. Es war prinzipiell nutzlos und sah absolut scheußlich aus.
Meiner Mutter ist schließlich aufgefallen, dass ich in Punkto Nacktheit scheinbar ein Problem hatte. Und sie fragte nach, was denn los sei:
„Die Operation.“ war meine einzige Antwort.
Mittlerweile wusste sie zwar, dass ich komplett beschnitten war, aber sie wusste trotzdem nicht, wie es aussah.
(Um etwas vorzugreifen: Erst als Erwachsener – mehr als 10 Jahre nach der Beschneidung – habe ich ihr einmal ein Bild aus dem Internet vorgelegt und ihr gesagt, dass ich so herumlaufen musste. Ihrer Reaktion nach zu urteilen hat sie erst in diesem Moment tatsächlich begriffen, was „beschnitten sein“ bedeutet und zum ersten Mal gesehen, wie so etwas aussieht.)
Um mich zu beruhigen hat sie mir damals, als ich noch klein war, erzählt, dass viele Jungs beschnitten wären, z. B. Amerikaner und manch andere wegen ihres Glaubens und dass nichts Schlimmes dabei wäre. Ich weiß nicht mehr, wie viele es waren, aber die Anzahl Flüche, die ich in diesem Moment losgelassen habe, war wohl immens.
Was zum Teufel bringt es jemandem, zu wissen, wie viele Millionen Menschen beschnitten sind, wenn man selbst Probleme damit hat und gar nicht so sein will?
Und was hilft dieses Wissen gegen Hänseleien und Schmerzen?
Absolut nichts!
Von den letzten beiden Punkten haben meine Eltern auch erst viel später erfahren. Wieder einmal fühlte ich mich unverstanden, aber ich weiß, dass es kein böser Wille von ihr war.
Was ich vor der Beschneidung an Sport gemacht habe, konnte ich nun nicht mehr tun: Die Schmerzen, die durch das Reiben der Eichel an der Kleidung entstanden, waren zu stark. Es gab Tage, an denen ich nicht einmal laufen wollte, weil es so wehtat. Warum ich den Sport tatsächlich aufgegeben habe wissen meine Eltern erst seit ein paar Jahren. Damals hatte ich offiziell einfach „keine Lust mehr“.
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