Was ist Hypospadie (bei Jungen) und wie wird das behandelt?
Diagnose und Erscheinungsbild
Unter Hypospadie versteht man eine angeborene Entwicklungsstörung der Harnröhre - bei Jungen meist in Verbindung mit einer Krümmung des Gliedes und einer Fehlentwicklung der Vorhaut (lange Vorhaut auf der einen Seite, Fehlen der Vorhaut auf der anderen Seite).
Die Harnröhrenöffnung beim Jungen kann bei einer Hypospadie an verschiedenen Stellen liegen – an der Unterseite der Eichel, an der Unterseite des Penisschaftes oder zwischen den Beinen (Damm, zwischen Hodensack und After). Die Harnröhrenöffnung ist punktförmig und kaum sichtbar. Meistens besteht zudem eine deutliche Harnröhrenverengung (Meatusstenose). Die Harnentleerung im Stehen bei Jungen mit Hypospadie ist erschwert oder unmöglich, da der Urinstrahl nach hinten bzw. unten verläuft.
Therapie
Eine Hypospadie wird durch einen operativen Eingriff behoben, bei dem die Harnröhre ggf. vollständig plastisch neu hergestellt wird.
Sechs Wochen vor dem Eingriff wird je nach Grad der Hypospadie der Penis täglich mit einer Hormonsalbe eingecremt, um die Hautverhältnisse zu verbessern. Der Eingriff selbst findet unter Vollnarkose statt und dauert, je nach Schweregrad, zwischen einer und vier Stunden. Bei schwereren Fällen können mehrere Operationen notwendig sein. Gegebenenfalls kann eine Schleimhauttransplantation z. B. aus der Mundhöhle notwendig sein.
Keine Beschneidung bei Hypospadie!
Es ist anzuraten, einen Jungen mit der Diagnose Hypospadie nicht beschneiden zu lassen, da die Vorhaut eventuell zum Aufbau der Harnröhre benötigt wird.
- Ziele eines chirurgischen Eingriffes sind:
- Streckung des Gliedes -> Penisaufrichtung
- Rekonstruktion der Harnröhre und der Harnröhrenendung an der Spitze der Eichel
- Möglichkeit eines normalen Urinierens und einer normalen Erektion (Gliedversteifung)
- Erreichen eines normalen Äußeren des Penis
Psychologischer Aspekt
Abgesehen von den medizinischen Aspekten sollte eine Korrektur auch deshalb erfolgen, da eine Anomalie im Bereich der Geschlechtsorgane später zu starken psychologischen Belastungen für den Jungen führen kann.
Komplikationen
Die Komplikationsrate nach einer Korrektur ist verhältnismäßig hoch und reicht von 5 bis 30 Prozent. Sie ist abhängig vom Schweregrad der Hypospadie, der Stärke des Nahtmaterials und der Erfahrung des behandelnden Arztes.
Mögliche Komplikationen nach der Operation sind übermäßige Schwellungen, Nachblutungen und Wundheilungsstörungen. Die häufigsten Spätkomplikationen sind:
- Fistel
- Harnröhrenstriktur (Harnröhrenverengung)
- Restverkrümmung
Die klinische Praxis hat gezeigt, dass nach Ablauf eines Jahres nach der Operation in der Regel keine Komplikationen mehr auftreten.
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