Nur eine "Kleinigkeit"

Wir hatten damals zu Hause noch keine Dusche und gebadet wurde nur samstags. An den Wochentagen mussten sich alle Familienmitglieder am Waschbecken in der Küche waschen. Ich konnte darauf warten, von meiner Mutter (!) ermahnt zu werden, meine „Haut“ nach vorne zu ziehen. Irgendwer hatte ihr gesagt, dass sich die verbliebene Haut des Penis dadurch allmählich wieder verlängern würde. Es war peinlich - und nutzlos.

Ich erinnere mich an eine ärztliche Untersuchung im Alter von ca. 13 Jahren, die in gewissem Sinne sogar auf meinen eigenen Wunsch stattfand, eben weil ich Probleme hatte – mit anderen und mit mir selbst.

Hänseleien, dumme Sprüche, immer das Gleiche, nach dem Sport, im Freibad … Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass mir „da unten“ etwas fehlte.

Dazu kamen Minderwertigkeitsgefühle – ich fühlte mich TATSÄCHLICH als „halber Junge“.

Merkwürdig finde ich im Rückblick auch, dass ICH SELBST (später) auch andere beschnittene Jungen für nicht vollwertig hielt.

Die Untersuchung wäre für mich, meine Eltern und die Ärztin die Gelegenheit gewesen, mir endlich zu erklären, weshalb fast 10 Jahre zuvor diese OP gemacht worden war, was bei mir „anders“ ist und wie ich wieder selbstbewusster, selbstzufriedener und sicherer werden kann. Stattdessen (Originalton Kinderärztin sinngemäß):

„Ach na ja, das haben viele Jungs!“

Ich musste mich zunächst noch nicht einmal ausziehen, nur die Hose öffnen. Ein kurzer Blick in meinen Slip und die Feststellung, dass man da nichts mehr ändern könne und dass das doch außerdem „ganz gut“ aussähe.

Das Erstaunen der Kinderärztin war gespielt, als ich ihr trotzdem meine Sorgen mitteilte, besser gesagt: irgendwie hervor stammelte und den offenbar völlig abnormen Wunsch vortrug, wieder so aussehen zu wollen, wie ein „richtiger“ Junge. Ich hatte das sichere Gefühl, dass sie mich für komplett verrückt hielt.

„Na ABER, das ist doch nun wirklich nur eine Kleinigkeit!“ wurde ich in fast schon ärgerlichem Ton belehrt, während sie nun doch meinen Penis inspizierte. „Und schau mal, das ist doch auch viel besser für Dich!“ (die Hygiene-Leier). „Du willst doch nicht diesen ollen Zipfel wieder haben!“ Ja, sie hatte „oller Zipfel“ gesagt! Ich kam mir vor wie ein begossener Pudel.

Mit mir sprach die Ärztin nur wenig, wohl aber mit meinen Eltern – im Flüsterton!

Hilfe oder Zuspruch bekam ich nicht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass sie mich „mochte“ oder besser gesagt: dass sie beschnittene Jungen ganz toll fand. Einbildung…?

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