Schatten

Es sind einzelne Bilder, die ich erstaunlich klar vor mir sehe, die ich aber nicht mehr zuordnen, nicht mehr in einen Zusammenhang bringen kann:

Krankenschwestern, die meine Bettdecke zurückschlagen und mich ausziehen. Ich stehe auf einem Tisch. Um mich herum viele fremde Leute, die mich festhalten, als könnte ich jeden Moment umfallen - ich bin doch kein alter Opa! Ein Arzt mit furchtbar großen Händen untersucht meinen "kleinen Mann". Der Arzt sieht aus wie mein Onkel. Ich kann nicht sehen, was da passiert, ich sehe nur die Hände, während über meinem Kopf ein gelber Teddybär schwebt. Was macht der nur da oben? Es tut nicht weh und ich habe auch keine Angst. Oder doch? Ich kann mich nicht genau erinnern. Es ist wie im Stummfilm – keine Töne, keine Schmerzen, aber klare Bilder - mit 4 Jahren?

Da sind noch mehr Hände. Sie greifen nach mir wie lautlose Schatten. Sie legen mich auf das Bett. Sanft drückt einer dieser Schatten meinen Kopf nach hinten und streichelt meine Stirn. Die Riesen-Hände sind immer noch „da unten“ oder besser gesagt: Sie sind überall, so groß sind sie. Keine Ahnung, weshalb ich mich ausgerechnet daran erinnere.

Gibt es das überhaupt? Kann man sich nach über 30 Jahren an ein paar Hände erinnern oder bilde ich mir das nur ein?

Der Teddy schaut mich an. Über mir leuchtet eine gewaltige runde Lampe. Außer dem Teddybär spricht niemand mit mir. Er redet ohne Töne...

Ob sich das alles vor, während oder nach der OP oder sogar noch später abgespielt hat, weiß ich nicht.

Wie der "kleine Mann" da unten unmittelbar nach der OP aussah - daran erinnere ich mich deutlich! Ich lag halbnackt unter einer Art Zelt im Bett. Ein blutiges Etwas an der Penisspitze, der gesamte Unterleib mit einer braunen Brühe beschmiert - kein besonders schöner Anblick...

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