Zu Hause
In Gesprächen mit meinen Eltern ist das Thema Beschneidung niemals vorgekommen. Bis zur Pubertät wusste ich nicht einmal, was die Worte "Beschneidung" und "Phimose" überhaupt bedeuten. Mein Problem als Kind war nicht die Beschneidung an sich, sondern fehlendes Wissen und Selbstbewusstsein, das Unvermögen, sich zur Wehr zu setzen oder gar selbst offensiv aufzutreten. Ich hatte keine Antworten auf diese Hänseleien und so hat sich das „hochgeschaukelt“, ist immer mal wieder passiert. Den genauen Grund für meine Beschneidung kannte ich auch nicht. Die Erwachsenen haben geschwiegen, sicher nicht in böser Absicht – sie haben eben einfach nicht gemerkt, wie mies ich mich oft gefühlt habe, weil ich glaubte, „kein richtiger Junge“ mehr zu sein. Der Arzt hatte ihnen vermutlich das Gleiche gesagt, was er mir …zig Jahre später auch sagte: „Das sieht doch sehr gut aus – eine hervorragende Arbeit!“ Das mag ja zutreffen – „operationstechnisch“ gesehen. Mein Problem damals war aber psychischer Natur – und das ist (auch heute!) einfach nicht vorgesehen – weder im Aufklärungsgespräch noch in der schriftlichen Patienteninformation.
Geärgert und geschämt habe ich mich, wenn sich meine Eltern mit Bekannten über meine Beschneidung unterhielten. Erst gab es mitleidige Blicke, dann jenen Satz, den ich so ähnlich auch heute noch manchmal im Zusammenhang mit Phimose höre:
„Das ist sicher das Beste für den Jungen. Da hat er wenigstens seine Ruhe!“
„Ruhe“? Welch ein Hohn! Manchmal war ich richtig wütend: Sie reden immer nur von früher. Sie reden nicht von heute und nicht mit mir und schon gar nicht über den ganzen Mist, den mir diese "Abschneiderei" eingebracht hat.
"Stell dich nicht so an - das haben viele Jungen!" hat mal eine Krankenschwester in der Klinik zu mir gesagt, nachdem ich mich bei einer Untersuchung "da unten" nicht ausziehen wollte. Den ersten dieser "vielen Jungen" habe ich allerdings erst mit 14 kennen gelernt.
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