Medizin & Forschung

Wunsch nach rituellen Beschneidungen verärgert Kinderärzte

Dass rituelle Beschneidungen keine Leistung der gesetzlichen Sozialversicherung, also der Solidargemeinschaft, ist, dürfte eigentlich klar sein. Dennoch berichten Ärzte davon, dass Eltern vermehrt von Ärzten fordern, eine kulturell motivierte Beschneidung auf Kassenkosten vorzunehmen bzw. eine Überweisung zu einem Operateur auszustellen

Die kassenärztliche Vereinigung Bremen will dieser Unsitte entgegenwirken und stellt Ärzten mehrsprachige Flyer, mit denen Eltern auf die Strafbarkeit hingewiesen werden sollen, zur Verfügung.

Der stellvertretende Vorsitzende der KVHB hofft, "dass der enorme Erwartungsdruck, dem die Ärzte ausgesetzt sind, dadurch gemindert wird und Eltern mehr Verständnis für eine ablehnende Entscheidung aufbringen". Gleichzeitig haben sich Ärzteverbände in der Hansestadt eine gemweinsame „Bremer Richtlinie“ zur konsequenten Absage von Wunsch-Zirkumzisionen verständigt.

In der Richtlinie wird klargestellt, wann überhaupt eine Zirkumzision bei Jungen medizinisch gerechtfertigt ist, nämlich bei Vorliegen einer manifesten Phimose, wobei in der Regel der Operation ein Behandlungsversuch mit Steroid- oder Östrogencreme vorangegangen sein soll. Zirkumzisionen in den ersten drei Lebensjahren sind nach der geminsamen Richtlinie nur in Ausnahmefällen indiziert.

Bremer Kassenärzte warnen vor medizinisch unsinnigen Zirkumzisionen

"Immer mehr Eltern in Bremen und Bremerhaven drängen Kinderärzte oder Urologen aus religiösen Gründen dazu, ihre Kinder zu beschneiden. „Ein solcher Eingriff ist allerdings in der Regel medizinisch nicht indiziert und darf nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgeführt werden. Der Arzt muss ihn ablehnen“, schildert Dr. Till Spiro, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB).

Die Ärzte stoßen bei ihrer Aufklärung häufig auf Unverständnis bei den Eltern.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen weist eindeutig darauf hin, dass bei Kindern die so genannte Zirkumzision (Beschneidung) nur dann vorgenommen werden darf, wenn sie medizinisch notwendig sei. In jedem Falle sei eine medizinisch nicht indizierte Beschneidung "glasklar" nicht vom elterlichen Erziehungsrecht gedeckt. Zugleich warnt die KV Bremen Ärzte vor erheblichen juristischen Folgen, sollten medizinisch nicht indizierte Beschneidungen als Kassenleistungen abgerechnet werden. Es ginge nicht um eine Bewertung der Motivationslage von Eltern, sondern um die schlichte Feststellung, dass die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten nur für medizinisch indizierte Behandlungen einstehen könne und dürfe.

Vorsorge: Krankenkassen zahlen Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Gesetzliche Krankenkassen wie etwa die AOK bezahlt für Mädchen, die bei ihr versichert sind, die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist eine ärztliche Beratung. Durch die neue Impfung kann die Infektion mit bestimmten Humanen Papilloma Viren (HVP) verhindert werden. Diese HVP-Viren sind für etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebserkrankungen verantwortlich. Der Impfstoff schützt auch gegen HPV-Viren, die für etwa 90 Prozent aller Genitalwarzen verantwortlich sind.

"Da die Viren durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, ist es wichtig, die Mädchen möglichst vor dem ersten Sexualkontakt zu impfen. Die derzeitige Impfung kann nicht vollständig schützen, sie senkt das Erkrankungs-Risiko aber deutlich" erklärt Dr. Katja Matthias, Ärztin beim AOK-Bundesverband.

Die AOK übernimmt die Kosten für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs für Mädchen im Alter zwischen neun und 17 Jahren. "Es ist die erste Impfung, durch die Krebs verhindert werden kann. Diese besondere Möglichkeit möchten wir den jungen Mädchen bereits jetzt zur Verfügung stellen", so Dr. Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs wird bisher nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Im Februar wird die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) über diese Impfung beraten.

Auch die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) als viertgrößte bundesweite gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ab sofort die Kosten für die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Versicherte Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 17 Jahren können die so genannte HPV-Impfung nach einer ärztlichen Beratung erhalten.

In drei Schritten

"Der Impfstoff wird in drei Schritten verabreicht, wobei zwischen der ersten und zweiten Dosis zwei Monate und zwischen der zweiten und dritten Dosis vier Monate liegen sollten", erklärt Dr. Katja Matthias. Die drei Einzeldosen kosten insgesamt rund 500 Euro. Eltern von Mädchen oder junge Frauen, die bei der AOK versichert sind und sich impfen lassen, müssen zunächst in Vorleistung treten und bekommen die Kosten von ihrer AOK-Geschäftsstelle erstattet.

Etwa 6.500 Frauen erkranken nach Angaben der Deutschen Krebshilfe in Deutschland jährlich an Gebärmutterhalskrebs. Bei den Krebserkrankungen bei Frauen rangiert Gebärmutterhalskrebs an zehnter Stelle.

Früherkennungstermine weiterhin nutzen

Auch wenn die neue Impfung ein guter Schutz ist, bleibt Gesundheitsvorsorge weiterhin wichtig, denn Gebärmutterhalskrebs kann nicht komplett verhindert werden, und die Impfung kann nicht vor der Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen. Dr. Katja Matthias: "Auch geimpfte Frauen sollten weiterhin regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung zum Gebärmutterhalskrebs nutzen. Durch die dabei durchgeführten so genannten PAP-Abstriche können Veränderungen in den Zellen des Gebärmutterhalses frühzeitig erkannt und dann rechtzeitig behandelt werden. Auch Schutzmaßnahmen gegen Infektionen, wie etwa die Benutzung von Kondomen, sind trotz der Impfung weiter notwendig."

Die Früherkennungsuntersuchung zum Gebärmutterhalskrebs wird den bei der AOK versicherten Frauen ab 20 Jahren einmal im Jahr angeboten. Die Kosten übernimmt die AOK; es muss dafür keine Praxisgebühr bezahlt werden.

Narben gehen unter die Haut - Operationsfolgen

(djd). Als lebenslange Begleiterscheinungen von Unfällen oder Operationen bleiben häufig Narben zurück, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen. Denn auch die Seele trägt Spuren davon. Häufig leiden die Betroffenen zudem unter ständigen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. So wie Hildegard Bauer: Eine auffallende wulstige Narbe sollte sie für immer an die Operation an ihrer Hand erinnern. Nicht nur ein ästhetischer Makel, sondern auch eine echte Behinderung im Alltag. Hildegard Bauer suchte schließlich Rat bei einer Expertin, um die Beschwerden nachhaltig zu lindern. Die Rentnerin entschied sich für eine Behandlung mit Silikon-Gel, denn diese ist sowohl bei frischen als auch bei älteren Narben möglich. Das in Apotheken erhältliche Silikon-Gel Dermatix z.B. wird zweimal täglich dünn auf die betroffene Stelle aufgetragen. Nur kurz trocknen lassen, dann kann man den Alltagsgeschäften wie gewohnt nachgehen. Der Schutzfilm macht jede Bewegung mit und schränkt nicht ein. Schon bald nach Beginn der Therapie zeigten sich bei Hildegard Bauer erste positive Veränderungen: "Die Narbe ist blasser und weicher geworden - und ich kann meine Hand wieder ganz normal bewegen."

Chefarzt bevorzugt - Emnid-Umfrage

(djd/pt). Die Chefarztbehandlung gehört nur dann zu den von der gesetzlichen Kasse bezahlten Krankenhausleistungen, wenn ihr Einsatz medizinisch notwendig ist. Will der Kassenpatient auch in anderen Fällen vom Chefarzt behandelt werden, muss er ohne Zusatzversicherung schnell einige tausend Euro aus eigener Tasche bezahlen. Denn falls man das entsprechende Paket wählt, wird nicht nur eine Operation, sondern auch alle anderen ärztlichen und medizintechnischen Leistungen nach der privatärztlichen Gebührenordnung abgerechnet.

Wie wichtig ist den Bundesbürgern die Chefarztbehandlung überhaupt? Das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von TNS-Emnid: Genau die Hälfte der Befragten fühlt sich in den Händen des Chefarztes am besten aufgehoben, weitere 33 Prozent konnten dies nicht beurteilen. Lediglich 17 Prozent glauben nicht, dass eine solche Behandlung besser für den Patienten ist.

Den günstigen Weg zum Chefarzt ebnet eine stationäre Zusatzversicherung. "Finanztest" (05/07) nahm 71 Krankenhauszusatztarife unter die Lupe: Zu den besten Anbietern bei den Versicherungen mit Chefarztbehandlung und Unterbringung im Zweibettzimmer - und zwar bei den Tarifen für Männer und Frauen - zählte der Direktversicherer KarstadtQuelle Versicherungen (www.kqv.de). Ein 43-jähriger Mann und eine 43-jährige Frau, die den "Krankenhaus-Plus-Tarif" neu abschließen, zahlen nur einen Beitrag von ca. 34 Euro monatlich.

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