Wunsch nach rituellen Beschneidungen verärgert Kinderärzte

Dass rituelle Beschneidungen keine Leistung der gesetzlichen Sozialversicherung, also der Solidargemeinschaft, ist, dürfte eigentlich klar sein. Dennoch berichten Ärzte davon, dass Eltern vermehrt von Ärzten fordern, eine kulturell motivierte Beschneidung auf Kassenkosten vorzunehmen bzw. eine Überweisung zu einem Operateur auszustellen

Die kassenärztliche Vereinigung Bremen will dieser Unsitte entgegenwirken und stellt Ärzten mehrsprachige Flyer, mit denen Eltern auf die Strafbarkeit hingewiesen werden sollen, zur Verfügung.

Der stellvertretende Vorsitzende der KVHB hofft, "dass der enorme Erwartungsdruck, dem die Ärzte ausgesetzt sind, dadurch gemindert wird und Eltern mehr Verständnis für eine ablehnende Entscheidung aufbringen". Gleichzeitig haben sich Ärzteverbände in der Hansestadt eine gemweinsame „Bremer Richtlinie“ zur konsequenten Absage von Wunsch-Zirkumzisionen verständigt.

In der Richtlinie wird klargestellt, wann überhaupt eine Zirkumzision bei Jungen medizinisch gerechtfertigt ist, nämlich bei Vorliegen einer manifesten Phimose, wobei in der Regel der Operation ein Behandlungsversuch mit Steroid- oder Östrogencreme vorangegangen sein soll. Zirkumzisionen in den ersten drei Lebensjahren sind nach der geminsamen Richtlinie nur in Ausnahmefällen indiziert.

Werbung

Ähnliche Meldungen

Meldungen aus Deutschland - 22 August 2010, 19.06
Falsche Tipps in Zeitungen und Broschüren
Was geschieht, wenn sich ein 13jähriger Junge wegen seiner Vorhautverengung ratsuchend an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wendet, das verdeutlicht ein Artikel auf der Jugendseite „@ttention“ der in ...
127 mal gelesen

Medizin & Forschung - 19 Mai 2010, 14.11
Wunsch nach rituellen Beschneidungen verärgert Kinderärzte
Dass rituelle Beschneidungen keine Leistung der gesetzlichen Sozialversicherung, also der Solidargemeinschaft, ist, dürfte eigentlich klar sein. Dennoch berichten Ärzte davon, dass Eltern vermehrt von Ärzten fordern, ...
617 mal gelesen

Medizin & Forschung - 07 September 2009, 01.47
Bremer Kassenärzte warnen vor medizinisch unsinnigen Zirkumzisionen
"Immer mehr Eltern in Bremen und Bremerhaven drängen Kinderärzte oder Urologen aus religiösen Gründen dazu, ihre Kinder zu beschneiden. „Ein solcher Eingriff ist allerdings in der Regel medizinisch nicht indiziert und ...
770 mal gelesen