Anklage im "Fall Franjo" erhoben
Anderthalb Jahre nach dem tragischen Tod des kleinen Franjo aus Hamburg wurde jetzt Anklage gegen die behandelnde Ärztin erhoben und ein erster Termin für den 21. April 2008 anberaumt.
Die seit vielen Jahren am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg tätige Medizinerin hatte dem Jungen nach einer Vorhaut-OP im August 2006 per Infusion eine Glukoselösung verabreicht. Dabei hat sie
„den fatalen Fehler gemacht, dass sie sich vertan hat und eine falsche Infusionslösung, eine hoch konzentrierte Glukoselösung benutzt hat. Daraufhin kam es zu einer absoluten Überzuckerung des Körpers des Kindes mit der Folge eines daraus entstehenden Hirnödems und auf Grund dieses Hirnödems ist es leider zu einem Hirntod gekommen, der dazu geführt hat, dass das Kind verstorben ist …“
So Dr. Axel Hennenberger, Facharzt für pädiatrische IIntensivmedizin am KKH Wilhelmstift gegenüber dem ZDF.
Ob man Franjo unmittelbar nach der Infusion noch hätte retten können und warum dies nicht geschehen ist, wird dem Vernehmen nach Gegenstand eines späteren Verfahrens sein, in dem zu klären sein wird, warum die Anzeichen der massiven Überzuckerung des Kindes nicht rechtzeitig erkannt worden waren. Auch nachdem Franjo bereits das Bewusstsein verloren hatte, blieb zunächst unklar, weshalb der Junge kollabiert war.
Im Prozess nicht zur Debatte steht die Phimose-Operation, wegen der Franjo eigentlich ins Krankenhaus gekommen war. Die Tatsache, dass nur wenige Wochen zuvor ein erfahrener Kinderarzt diesen Eingriff für nicht notwendig hielt, verleiht dem Tod des kleinen Jungen einen zusätzlichen bitteren Beigeschmack. Vor allem für Franjos Mama sind die Zweifel, die OP könne womöglich unnötig gewesen sein, eine große seelische Belastung.
Derweil hat sich das Leben der jungen Familie in den letzten Monaten erheblich verändert. Jessica W. und ihr Lebensgefährte Marco haben im September 2007 geheiratet. Obwohl Marco nicht der leibliche Vater von Franjo ist, war er für den kleinen Jungen immer der „allerliebste“ Papa. Fast ununterbrochen war Marco in jenen letzten Tagen und Stunden bei dem Jungen, den er wie seinen eigenen Sohn liebte. Die Katastrophe hat das junge Paar zusammengeschweißt.
Anfang Januar bekam die Familie erneut Nachwuchs. Ein kleiner Junge, der irgendwann erfahren wird, dass er einen großen Bruder hatte. Dann werden ihm seine Eltern und seine große Schwester Sophie erzählen, was geschehen ist, ihm Fotos zeigen und vielleicht jenen kleinen Film, den man auf Franjos Gedenkseite anschauen kann. Der kleine Tim-Luca wird sehen, dass Franjo ein glückliches Kind war und irgendwann wird er seiner Mama Jessica vielleicht die gleichen Worte sagen, mit der auch Franjo sie immer begrüßt hat: "Mami, ich hab´ dich so lieb!"
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