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Phimose und verkürztes Frenulum bei 4-jährigem

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Moderatoren: Das Etwas, Stardust, Markus M., admin

von Lucia » Donnerstag 12. September 2013, 11:58

Hallo.

Ich lese hier schon unangemeldet seit über einem Jahr mit, weil mein Sohn eine starke Vorhautverengung hat und man uns bereits zu seinem zweiten Geburtstag zu einer Beschneidung riet. Bislang war mein Standpunkt immer, dass ich diesen Eingriff nicht vornehmen lassen werde, bis klar ist, ob diese Verengung sich nicht von alleine gibt. Außerdem möchte ich, dass er diese Entscheidung unter Abwägung aller Vor- und Nachteile irgendwann selbstständig treffen kann.

Inzwischen ist mein Sohn vier Jahre alt und es gab leider zwischenzeitlich die ein oder andere Reizung der Vorhaut. Beim Urinieren bläht sich die Vorhaut zwar nicht auf, aber sie war so eng, dass kein gerader Strahl möglich war.
Uns wurde nun zu einer Salbenbehandlung geraten, die wir seit einigen Wochen durchführen und diese war zunächst auch sehr erfolgreich. Allerdings tut sich nun das nächste Problem auf, denn die Eichel lässt sich zwar inzwischen ansatzweise für ein paar Millimeter zurückziehen und auch der Urinstrahl ist gerade, aber offenbar ist das Vorhautbändchen mit der Eichel verwachsen bzw. so kurz, dass weiteres Dehnen nicht möglich sein wird.
Die Vorhaut beginnt direkt unter der Harnröhrenöffnung, was vorher gar nicht sichtbar war, als die Vorhaut noch komplett die Eichel verschloss.

Wir waren damit jetzt bei zwei Kinderärzten, die einhellig sagten, dass bei so einer Situation tatsächlich nur eine konventionelle Beschneidung in Frage kommt und dass wir dies doch nach Möglichkeit besser bald in Angriff nehmen sollen.

Ich bin im Moment ehrlich verzweifelt, weil ich solch eine Entscheidung nicht über den Kopf meines Sohnes hinweg treffen möchte. Auch weiß ich nicht, wohin ich mich wenden kann und ob es irgendwo Ärzte gibt, die alternativen Behandlungsmethoden gegenüber offen eingestellt sind. So würde ich gern wissen, ob nicht wenigstens nur eine teilweise Beschneidung oder gar eine vorhauterhaltende OP möglich wäre, bei der das Bändchen verlängert oder durchtrennt wird. Leider sind die Ärzte hier in der Umgebung sehr konservativ und würden meinen Sohn am liebsten morgen auf dem OP-Tisch haben.

Kann mir jemand einen Rat geben?

Laut Arzt sei es übrigens auch problematisch, dass sich an seinem Penis/unter der Vorhaut viele "Smegma-Perlen" bilden, die zwar normalerweise mit Lösen der Vorhaut von allein verschwinden. Durch das kurze Frenulum werde aber dieses Lösen und Zurückschieben der Vorhaut verhindert, was wiederum dazu führt, dass das Smegma dort bleibt und noch mehr wird.

Ich kann dazu wenig sagen, weil ich nicht weiß, wie das physiologisch läuft. Hat dazu jemand eine Info?

Derzeit stehe ich zwischen den Stühlen und will doch eigentlich nur die beste Entscheidung treffen. Wenn ich nur wüsste, wie diese aussieht...
Lucia
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von Stardust » Samstag 14. September 2013, 12:48

Hallo Lucia,

herzlich Willkommen hier im Forum!

Zunächst einmal ist weder eine Phimose noch ein verkürztes Frenulum im Alter von 4 Jahren überhaupt ein Problem, sofern nicht zusätzliche Symptome auftreten.

"Zwischenzeitlich die ein oder andere Reizung der Vorhaut" würde ich dabei noch nicht als Symptom einstufen, da solche Reizungen immer mal vorkommen können, auch bei Jungen mit zurückziehbarer Vorhaut und natürlich auch bei Mädchen. Dahinter kann z.B. der Kontakt mit aggressiven Chemikalien stecken (wie gechlortes Schwimmbadwasser) oder eine Störung des natürlichen Bakteriengleichgewichtes durch die Einnahme von Antibiotika. Auch bei der Ablösung von Verklebungen kann es zu vorübergehenden Reizungen kommen, da die frisch abgelösten Stellen u.U. sehr empfindlich sind.

Behandeln kann man Reizungen mit Hausmitteln wie Bädern in Kamille, Salzwasser oder Natron. Bei ernsthaften Entzündungen mit starker Rötung, Schwellung und/oder Ausfluss sollte natürlich ein Arzt konsultiert werden, um geeignete Antibiotika zu verschreiben.

Der Erfolg, den ihr bisher mit der Salbe erzielt habt, ist mE für dieses Alter schon sehr gut. Der schiefe Harnstrahl (an sich auch kein Problem) hat sich damit ja schon einmal erledigt.

Jetzt zeigt sich offensichtlich, dass die Vorhaut Deines Sohnes noch teilweise mit der Eichel verklebt ist. Ganz zurückziehen lässt sich die Vorhaut erst dann, wenn sich diese natürlichen Verklebungen gelöst haben, und dafür hat jeder Junge seinen eigenen "Fahrplan".

Die Bildung von Smegmaperlen ist ein Zeichen dafür, dass der Ablösungsprozess bei Deinem Sohn im Gange ist. Es handelt sich bei diesem kindlichen Smegma nämlich um die Zellen, die vorher die Verklebungsschicht gebildet haben und sich jetzt aufzulösen beginnen. Dass sich dieses Smegma eine Weile ansammelt, ist (ohne zusätzliche Symptome) ebenfalls kein Problem. Bei manchen Jungen kommt es sogar vor, dass es sich über mehrere Wochen oder Monate in einer komplett abgeschlossenen "Tasche" bildet und erst den Weg nach draußen findet, wenn sich endlich eine Verbindung zur Vorhautöffnung gebildet hat.

Wenn Du Deinen Sohn regelmäßig ausgiebig baden lässt (am besten in Wasser ohne Zusätze) und er dabei mit seinem Penis spielt und die Vorhaut vorsichtig so weit zurückzieht, wie es im Moment geht, wird dabei zum einen das "erreichbare" Smegma vom Wasser weggespült, zum anderen ist es das optimale "Training" zum Ablösen der Verklebungen und zur Weitung der Vorhaut.

Im Alter von 4 Jahren ein verkürztes Frenulum zu diagnostizieren, wenn außerdem noch Verklebungen vorliegen, ist mE Unfug. Während des Wachstums verändern sich die Größen/Längenverhältnisse der Bestandteile des Penis komplett, so dass eine sinnvolle Diagnose eines verkürzten Frenulum erst im Lauf / gegen Ende der Pubertät erfolgen kann. Und erst dann wird ein ausreichend langes Frenulum gebraucht, nämlich für unbeschwerte und schmerzfreie sexuelle Aktivität.

Ich nehme an, dass bei Deinem Sohn rund um das Frenulum herum einfach noch besonders viele und feste Verklebungen sind, die so aussehen wie ein extrem kurzes bzw. verwachsenes Frenulum.

Zusammengefasst: Weiter abwarten bzw. mit der Salbe (so lange sie am Stück angewendet werden darf) und Bädern die natürliche Entwicklung weiter fördern.

Was das Drängeln der Ärzte zur OP betrifft, kannst Du einfach bestimmt sagen, dass Du das (im Moment) nicht willst. Sie können Dich zu nichts zwingen, nur raten.

Alles Gute
Stardust
Aus therapeutischen Gründen zu beschneiden, obwohl die medizinische Forschung bewiesen hat, dass andere Methoden zumindest genauso effektiv und weniger invasiv sind, wäre unethisch und unangemessen. British Medical Association 2006
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von Lucia » Mittwoch 19. November 2014, 22:02

Nach mehr als einem Jahr, melde ich mich nun noch mal hier zurück. Damals hat mich die freundliche und differenzierte Antwort hier sehr beruhigt.

Leider war die Entwicklung im vergangenen Jahr nicht sehr positiv. Mein Sohn hatte zwei schlimme Entzündungen mit Vereiterungen, von denen einen nur noch antibiotisch zu behandeln war. Die Reizungen sind inzwischen beinahe permanent. Wir "behandeln" einige Tage mit Kamille und Salben, dann ist wenige Tage Ruhe und anschließend geht es von vorne los.

Ich habe den Eindruck, dass die Situation zunehmend belastender für meinen Sohn wird. Manchmal weint er, weil er Angst vor Schmerzen hat oder möchte nicht in den Kindergarten, weil es dort beim Pipimachen brennen könnte. Auch finde ich es schwierig, dass er seinen Penis eigentlich nur noch in schmerzendem Zustand wahrnimmt. Ein Spielen daran ist inzwischen undenkbar. Er will seinen Penis nicht anfassen, weil dieser sowieso ständig weh tut.

Von den Ärzten wurden wir natürlich immer wieder auf eine Beschneidung angesprochen. Nachdem ich meinem Sohn ruhig und sachlich erklärt habe, was bei so einem Eingriff gemacht wird, ist er aber davon überzeugt, dass er seine Vorhaut behalten will. Er sagt, sie gehöre doch an seinen Penis - und damit hat er ja grundsätzlich auch Recht.

Ich habe versucht, Informationen zu Erweiterungsplastiken und der Triple Inzision zu finden, aber das scheint hier im Umfeld einfach nirgendwo Thema zu sein. Auch scheinen die Ärzte auf Nachfragen diesbezüglich sehr genervt zu reagieren. Niemand ist überhaupt daran interessiert, auf diese Option einzugehen und man behandelt mich sehr von oben herab. Ein Arzt sagte, es sei anstrengend, mit medizinischen Laien zu diskutieren, die meinen das Internet würde ein Medizinstudium ersetzen. Eine andere Ärztin sagte, das sei doch nicht mein Ernst - eine komplette Beschneidung sei doch viel hygienischer und vor allen Dingen ästhetischer. Mein Sohn sei später bestimmt enttäuscht...

Ich bin wirklich mit meinem Latein am Ende. Vielleicht hat hier jemand einen Rat, wie ich weiter vorgehen könnte. Kennt jemand Kliniken in Norddeutschland, die Erfahrungen mit vorhauterhaltenden Eingriffen haben? Ich würde so gern mal mit jemandem sprechen, der mich nicht direkt verurteilt, nur weil mein Sohn seine Vorhaut noch besitzt.

Ich bedanke mich schon mal...
Lucia
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von Markus M. » Samstag 22. November 2014, 17:44

Hallo Lucia!

Ich bin gerade dabei, einen Arzt für Deinen Kleinen zu suchen. Ich melde mich sobald wie möglich wieder.

M. E. kann ein zu kurzes Frenulum auf jeden Fall ohne Beschneidung behoben werden. Es ist zwar auch eine OP, aber es bleibt alles dran. Vermutlich erledigt sich das Vorhautproblem danach entweder von selbst oder mittels Salben.

Zuerst müsste aber mal eine vernünftige Diagnose her. Wenn ich schon höre, eine Beschneidung sei sauber und ästhetisch... Aus wessen Sicht denn? Aus der der Ärztin? Und was hat deren persönliche Vorliebe für beschnittene Penisse mit dem Problem Deines Sohnes zu tun?

Ich hoffe, wir finden jemanden, der dem Kleinen helfen kann - hoffentlich auch ohne "Abschneiden".

LG Markus
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von Markus M. » Sonntag 23. November 2014, 16:39

Hallo Lucia!

Du hast Post! Siehe rechts: Neue Nachrichten.

LG Markus
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