Sonntag 30 April 2017
Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Routinebeschneidung in der DDR?

Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre hat man offenbar versucht, Jungenbeschneidungen auch in der ehemaligen DDR zu etablieren. Tatsächlich wurden als Ergebnis kurzzeitig bestehender Kontakte zwischen der University of Berkeley (Kalifornien) und dem damaligen Volkspolizeikrankenhaus Berlin (heute Bundeswehrkrankenhaus Berlin-Mitte) allein 1959 mindestens 546, insgesamt vermutlich weit über 1.500 neugeborene Berliner Jungen ohne evidenten medizinischen Grund an der Vorhaut beschnitten. Von ihnen wird wohl kaum ein Aufschrei ähnlich dem missbrauchter Jungen in Klöstern und Internaten zu erwarten sein. Man darf davon ausgehen, dass die Betroffenen von diesem „Experiment“ nicht die geringste Ahnung haben.

Die „Rechtfertigung“ dafür war damals so irrational wie heute: Man wolle damit (Penis-) Krebs vorbeugen, heißt es in entsprechenden Unterlagen – einer Krankheit, die extrem selten auftritt und wenn, dann fast ausschließlich im hohen Alter.

Die Beschneidungen in der DDR-Hauptstadt endeten abrupt im Jahre 1962. Die einzige von den Amerikanern zur Verfügung gestellte Gomco-Klemme war irreparabel defekt. Eine Neuanschaffung war wegen der Abschottung der DDR nicht möglich, ein Nachbau ebensowenig.

Ob weitere DDR-Kliniken in dieses „Experiment am lebenden Kind“ eingebunden waren ist derzeit noch unklar. Einiges spricht dafür.

Obwohl Phimose-OP’s in der DDR ohnehin selten vorkamen, sind nach der gescheiterten „Beschneidungsmission“ keine negativen Folgen für nicht beschnittene Jungen und Männer bekannt geworden. Weder Peniskrebs noch andere Krankheiten, denen Beschneidung angeblich vorbeugen soll, traten häufiger auf – im Gegenteil! Glück im Unglück für so manchen später geborenen Berliner Jungen…

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Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Der Roman

Wir schreiben das Jahr 1984. Nach schulischen Problemen und einem gescheiterten „Fluchtversuch“ von zu Hause wird Manuel in ein Internat gesteckt. Die medizinische Aufnahmeuntersuchung dort konzentriert sich seltsamerweise vor allem auf die Genitalien des Jungen und hat mit Achtung der Intimsphäre, Rücksichtnahme und Einfühlsamkeit nichts zu tun. Die Anstaltsärztin diagnostiziert eine Vorhautverengung - peinlich für einen pubertierenden 13jährigen! Doch es soll noch schlimmer kommen:

Manuel hatte bislang noch nie Probleme im Schritt und fühlt sich auch nicht krank. Schmerzen hat er erst jetzt, nach dem brutalen Zurückreißen der Vorhaut durch die Ärztin. Umso heftiger trifft ihn die Ankündigung, ihn umgehend zur Beschneidung ins Krankenhaus zu überweisen.

Nach anfänglichem Aufbegehren fügt sich Manuel in sein Schicksal.

In der nahegelegenen Klinik, in der Jungen offenbar gleich reihenweise beschnitten werden, wird Manuel „von seiner Vorhaut befreit“, wie die Ärztin es ausgedrückt hatte.

Und tatsächlich scheinen sich die Krankenschwestern auf der kinderurologischen Station als „Missionarinnen im Schritt kleiner und großer Jungen“ zu verstehen – Perversion im weißen Kittel. Parallelen zu der in weiten Teilen der USA nach wie vor üblichen Routinebeschneidung neugeborener Jungen sind unübersehbar.

Ein Instinkt sagt Manuel, dass ihm und den anderen Jungen auf der Station Unrecht geschehen ist. Der Verdacht, bestraft worden zu sein, ergreift Besitz von Manuels Denken und Fühlen, das sich von nun an mehr und mehr darum dreht, das „Brandzeichen“ vor anderen geheim zu halten.

Wenig später werden dem Teenager ungeahnte Folgen der Operation bewusst: Mit der Vorhaut wurde ihm auch ein erheblicher Teil seiner gerade erst erwachenden sexuellen Erlebnisfähigkeit genommen. Nun versteht er die zynische Häme, mit der eine Schwester die Station als „vorhautfrei“ an ihre Ablösung übergeben hat.

Manuel verbrüdert sich mit David, einem ebenfalls beschnittenen Jungen aus dem Internat. Für das permanente Streben, ihren „Makel“ vor anderen zu verbergen, zahlen die Beiden einen hohen Preis.
Sie werden zu Außenseitern und bekommen neben Hohn und Spott nun auch noch massive körperliche und psychische Demütigungen und Erniedrigungen zu spüren. Nur ein Zufall rettet die beiden vor einer regelrechten Vergewaltigung.

Manuel und David erleben sich in der Rolle des Opfers ebenso wie in der des sexuellen Exoten. Die beiden Jungen bekommen die Folgen einer OP zu spüren, die sie ungefragt über sich ergehen lassen mussten und über die andere entweder lachen oder sie als harmlose Nebensache abtun.

„Der Schnitt“ - ein Versuch, die Menschen auf etwas aufmerksam zu machen, das bislang in Schweigen gehüllt und deshalb als völlig normal hingenommen wurde.

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Sonntag, 21 Dezember 2014 00:00

Ein weiterer Schock – für den Arzt!

Etwa drei Monate später musste ich erneut in dieses Krankenhaus, diesmal allerdings lediglich zur Nachuntersuchung. Diese führte derselbe Arzt durch, der auch die Beschneidung gemacht hatte. Es ging relativ schnell bei ihm: Er sah sich das Ganze an, zog den Vorhautrest (den man nicht einmal mehr als Vorhaut bezeichnen konnte) über die Eichel und meinte dann:

„Alles sehr gut. Es funktioniert bestens und das kosmetische Resultat ist hervorragend.“

„Was ist hervorragend? Dieser Fleischfetzen?!“

Der Arzt starrte mich buchstäblich mit offenem Mund an. Vielleicht kamen ihm Zweifel an dem, was er getan hatte. Ich kann es nicht sagen, aber ich hoffe es. Ändern konnte er es auch nicht mehr, dass er mich verstümmelt hatte.

Es entwickelte sich dann noch  ein kurzes Gespräch, weil ich gesagt hab, dass mir jede noch so kleine Berührung Schmerzen verursacht, was er aber mehr oder weniger abtat und meinte, dass sich das geben würde. Das war die zweite Lüge.

In diesem Moment war auch das letzte Bisschen Vertrauen, das ich noch in die ärztliche Zunft hatte, endgültig den sprichwörtlichen Bach hinunter gegangen.

Sonntag, 21 Dezember 2014 00:00

Der Beginn eines Leidensweges

An den Donnerstag, an dem ich in das Kinderkrankenhaus unseres damaligen Wohnortes gehen musste, erinnere ich mich noch heute genau. Das Wetter  war im wahrsten Sinne des Wortes traumhaft: angenehm warm und der Himmel war stahlblau.

Ich war 9 Jahre alt.

Donnerstag, 18 Dezember 2014 00:00

Dem Jungen ist doch nichts weiter passiert

"Zu dem Urteil war es gekommen, nachdem ein vierjähriges Kind nach einer Beschneidung mit Nachblutungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Dem Jungen konnte rasch geholfen werden."

(Harry Nutt, Leitartikel der Frankfurter Rundschau vom 28.06.2012)

Kommentar:

Ja, in diesem Fall konnte dem Jungen rasch geholfen werden, aber es gibt auch zahlreiche Fälle, in denen den Kindern nicht rasch oder gar nicht mehr geholfen werden kann.

Die aktuelle Debatte zum Verbot von Beschneidungen in Norwegen wurde beispielsweise dadurch ausgelöst, dass in Oslo ein zwei Wochen altes Baby nach einer ordnungsgemäß von einem Arzt durchgeführten Beschneidung verblutete. Auch in Großbritannien verblutete Anfang 2012 ein Säugling im Alter von nur einem Monat.

In den USA gingen in den letzten Wochen wieder einmal Herpesinfektionen von Neugeborenen durch das jüdisch-orthodoxe Ritual metzizah bi peh (Saugen des Blutes vom Penis des Babys mit dem Mund) durch die Presse, die zum Tod bzw. zu Hirnschäden bei mehreren Säuglingen führten (eine solche Praxis würde bei Fehlen des religiösen Hintergrundes im Übrigen als schwerer sexueller Missbrauch bestraft). Und in Israel wurde wenige Wochen vor dem Kölner Beschneidungsurteil einem Jungen versehentlich der Penis abgetrennt.

Dies sind nur einige wenige herausgegriffene Beispiele aus den letzten Monaten.

Stellt man alle bekanntgewordenen schweren Komplikationen und Todesfälle zusammen, kommt man auf ein erschreckendes Ausmaß an gravierenden "Kollateralschäden" von Jungenbeschneidung . Und dabei wird ein Großteil der Komplikationen erst gar nicht bekannt, da sowohl Ärzte / traditionelle Beschneider als auch Familien ein Interesse haben, diese Geschehnisse nicht an die große Glocke zu hängen.

Freigegeben in Rituelle Beschneidung

Nur wenige Kinder und Jugendliche empfinden Bilder von bunten, fröhlichen Clowns überm Krankenhausbett als aufmunternd.

Freigegeben in Vermischtes

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