Samstag 24 Juni 2017
Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Historische „Begründungen“

Die Begründungen für die Beschneidung von Jungen änderten sich im Verlauf der Geschichte mehrfach. War es im 19. Jahrhundert die typisch amerikanische Prüderie, die Jungenbeschneidung als Mittel gegen Masturbation auserwählt hatte, musste später die Hygiene als „Argument“ herhalten, mit dem man auch gleich noch alle unbeschnittenen (also natürlich gebliebenen) Jungen als schmutzig und minderwertig disqualifizieren konnte. Diese entwürdigende Denkweise geistert auch heute noch in so manchem Hinterkopf herum.

Einschüchterung und Angstmache vor Geschlechtskrankheiten, Peniskrebs, Gebärmutterhalskrebs oder HIV sind nach wie vor das Damoklesschwert, das so manchen Jungen unters Messer befördert.
Der amerikanische Arzt, Erfinder der Erdnussbutter und Miterfinder der Cornflakes, John Harvey Kellogg (1852 – 1943) empfahl die betäubungslose Beschneidung von Jungen als Mittel gegen Masturbation (Selbstbefriedigung). Damit wollte er einerseits den Strafcharakter der Operation durch Schmerz verdeutlichen und andererseits eine Desensibilisierung (Gefühlsverlust) der nunmehr schutzlosen Eichel erreichen – eine Folge, die nach vollständiger Entfernung der Vorhaut tatsächlich eintritt.

Auch für Mädchen hatte der (übrigens hoch geehrte!) Arzt ein „Rezept“: Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure zur Dämpfung der „unnatürlichen Erregung“.

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Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Grausame Rituale

„Fast überall auf der Welt werden Jungen und Männer beschnitten. So schlimm kann das dann ja wohl nicht sein!“

Solche und ähnliche „Argumente“ hört man oft, wenn es um dieses peinliche Tabuthema geht. Was dabei regelmäßig übersehen wird:

Beschneidung ist längst nicht gleich Beschneidung und für einen medizinisch unnötigen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit Minderjähriger gibt es keine Rechtfertigung, nicht einmal durch das Einverständnis der Eltern, egal wie „groß“ oder „klein“ jemand diesen „Schnitt“ persönlich bewerten mag.

Worauf beruft man sich, wenn man vorgibt, die Beschneidung von Jungen sei in vielen Teilen der Welt eine eher harmlose Tradition?

Bei den Dowayos in Kamerun ist die Beschneidung ein Fest, bei dem die Jungen zunächst nackt ausgezogen und auf dem Weg zum Beschneidungsplatz von verkleideten Männern angesprungen und massiv verängstigt werden. Bei der Beschneidung selbst wird fast der gesamte Penis gehäutet und regelrecht abgeschält, was dazu führt, das sich das verstümmelte Glied im Verlauf des weiteren Wachstums völlig deformiert.

Noch weiter gehen einige Aborigines-Stämme in Australien. Sie schlitzen Jungen und Männern nach der kompletten Entfernung der Vorhaut die gesamte Harnröhre entlang der Unterseite des Penis von der Eichel bis zum Hodensack auf, so dass Urin und Sperma zwischen den Beinen austreten und eine Fortpflanzung mittels normalen Geschlechtsverkehrs nicht mehr möglich ist.

Der Stamm der Luo in Kenia ist einer der wenigen, bei dem Jungen ihre Vorhaut behalten dürfen. Ihnen wird „nur“ das Vorhautbändchen an der Unterseite der Eichel durchtrennt.

Die derzeitige Kampagne der WHO, wonach Beschneidung zumindest einen gewissen Schutz gegen HIV biete, hat dort eine von der Welt weitgehend ignorierte, mit unglaublicher Brutalität geführte Jagd auf unbeschnittene Jungen und Männer ausgelöst. Auch hier schaut die Menschheit weg und das, obwohl die Luo ein durchaus prominentes Stammesmitglied haben: Den Vater des derzeitige US-Präsidenten Barack Obama!

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Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Dollars und Antifaltencreme aus Babyvorhaut

Ortswechsel. Der Blick über den „großen Teich“, wo in den USA noch immer ca. 50 % aller neugeborenen Jungen sofort nach der Geburt ohne medizinische Indikation und ohne Betäubung beschnitten werden zeigt, wie man aus den Schmerzen neugeborener Jungen ein millionenschweres Geschäft macht.

Babyvorhaut ist ein begehrter „Rohstoff“ für die Pharma- und Kosmetikindustrie. Das Gewebe ist äußerst reproduktiv und mit großer Sicherheit frei von Krankheitserregern. Injizierbares Collagen, gewonnen aus den Vorhäuten neugeborener Jungen, kann die Faltenbildung der alternden Haut vermindern, zum Aufspritzen der Lippen und zur kosmetischen Behandlung von Narben dienen.

Unter dem Namen „Apligraf“ wird weltweit ein Kunsthautprodukt vertrieben, welches ebenfalls aus Babyvorhaut gewonnen wird und den natürlichen Heilungsprozess großflächiger Wunden unterstützt.

Um per Beschneidung an das begehrte Rohmaterial zu kommen, werden amerikanische Jungen gleich nach der Geburt und oftmals ohne Betäubung mit gespreizten Armen und Beinen auf einem sogenannten „Circumstraint“ gefesselt. Dann schiebt der Arzt ein medizinisches Instrument unter ihre mit der Eichel verklebte Vorhaut und schält diese von der Eichel ab. Die Babys können sich bei dieser Tortur nicht bewegen. Sie schreien verzweifelt, einige bekommen Krämpfe. Anschließend wird die Vorhaut der Länge nach aufgeschnitten und entweder durch ein Skalpell oder mittels einer speziellen Klemme entfernt. „Vorhauternte“ nennt das die Pharmaindustrie und behauptet allen Ernstes, das Ausgangsmaterial stamme von „gespendeten“ Vorhäuten neugeborener Jungen.

Es geht nicht um HIV-Prophylaxe, nicht um Vorsorge gegen Peniskrebs, Gebärmutterhalskrebs, Geschlechtskrankheiten oder um Hygiene. Die Beschneidung der Vorhaut hat keine nachweisbaren prophylaktischen Effekte auf die Häufigkeit irgendwelcher Krankheiten – ganz im Gegenteil!

Die Verbreitung derartiger Pseudoweisheiten sowie der Sensibilitätsverlust der Eichel nach einer Beschneidung führen zu einem leichtfertigeren Umgang mit Kondomen und der Verantwortung für die Gesundheit beider Sexualpartner. Hinzu kommen die zahlreichen Risiken und Komplikationen während und nach der OP, vor allem in Ländern mit niedrigem medizinischem Standard.

Worum geht es wirklich? Es geht um einen extrem schmerzhaften Eingriff an den Geschlechtsorganen kleiner Jungen, der möglichst sofort nach der Geburt erfolgen muss, weil der Körperteil, den man den Babys raubt, sich später nicht mehr verkaufen lässt. Es geht um Zeit und es geht um Geld!

Das medizinische Equipment, das für die Beschneidung der Säuglinge benötigt wird, ist teuer und sichert etwa in den USA zahlreiche Arbeitsplätze. Eine sogenannte „Gomco-Klemme“, mit der die zuvor aufgeschnittene Vorhaut vom Penis entfernt wird, kostet im Online-Handel zwischen 50 und 300 $. Die etwas brutalere Mogan-Klemme bringt es bei einem Anbieter auf 326 $. Gepfefferte Preise für ein winziges Stück Metall.

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Siebzehn Organisationen und engagierte Einzelpersonen kritisieren in einer Erklärung die Empfehlung von WHO und UNAIDS vom 28.03.2007, männliche Beschneidung insbesondere im südlichen Afrika zur Eindämmung der HIV/AIDS-Epidemie einzusetzen. Die Erklärung hebt die gravierenden Probleme einer solchen Strategie hervor und stellt strenge Forderungen auf, die bei ihrer Umsetzung eingehalten werden müssen.

Die Effektivität von Beschneidung als HIV-Schutz ist fraglich, da sie nur für heterosexuelle Männer einen partiellen Schutz bietet. Es ist zu befürchten, dass beschnittene Männer sich in falscher Sicherheit wiegen könnten. Programme, die mit Aufklärung und Verhaltensänderung die Epidemie zu bekämpfen versuchen, könnten schwere Rückschläge erleiden. Darunter hätten insbesondere afrikanische Frauen zu leiden, da ihr Infektionsrisiko durch männliche Beschneidung möglicherweise erhöht werde und sie in noch schlechterer Position als zuvor wären, Schutz für sich durch Kondome einzufordern.

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Donnerstag, 18 Dezember 2014 00:00

Mädchenbeschneidung ist schlimmer

"Der weltweit geführte Kampf gegen weibliche Genitalverstümmlung hat gezeigt, wie schwer es ist, das Recht auf Menschenwürde gegen traditionelles Beharren zu verteidigen. Es muss daher unbedingt als Erfolg dieser Aufklärungsarbeit gewertet werden, dass sich eine solche Grenzziehung gerade auch in der muslimischen Welt durchzusetzen beginnt. Es ist zu befürchten, dass die Ächtung der Genitalverstümmelung bei Mädchen einen derben Rückschlag erleidet, wenn nun die männliche Beschneidung zum Gegenstand eines fortgesetzten Kulturkampfes wird."

(Harry Nutt, Leitartikel der Frankfurter Rundschau vom 28.06.2012)

Kommentar:

Es gibt allerdings auch gegenteilige Meinungen und sogar Aussagen von Menschen aus den Kulturen, die Mädchen- und Jungenbeschneidung mit der gleichen Selbstverständlichkeit praktizieren (Mädchenbeschneidung existiert nur dort, wo auch Jungen beschnitten werden!):

Mit welchem moralischen Recht will die westliche Welt den Afrikanern verbieten, ihre Mädchen zu beschneiden, während die Beschneidung von Jungen unangetastet bleibt bzw. von der westlichen Welt sogar selbst praktiziert und in Afrika als (fatal fehlgeleitete) HIV-Prophylaxe propagiert wird?

Wie in so vielen Fällen offenbart die westliche Welt gegenüber den Kulturen, denen sie "helfen" will, auch hier eine ausgeprägte Doppelmoral.

Diese Grenzziehung zwischen Traditionen und "relativer Menschenwürde" ist in der Tat komplex und schwer zu vermitteln. Wird jedoch die Beschneidung von Mädchen und Jungen gleichermaßen abgelehnt, kann man sich auf eine einfache, in sich schlüssige und moralisch integre Argumentation beschränken, die da lautet:

Jeder Mensch hat das Recht, ohne Druck von außen selbst darüber zu entscheiden, welche Körperteile er behalten will.

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