Samstag 24 Juni 2017
Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Routinebeschneidung in der DDR?

Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre hat man offenbar versucht, Jungenbeschneidungen auch in der ehemaligen DDR zu etablieren. Tatsächlich wurden als Ergebnis kurzzeitig bestehender Kontakte zwischen der University of Berkeley (Kalifornien) und dem damaligen Volkspolizeikrankenhaus Berlin (heute Bundeswehrkrankenhaus Berlin-Mitte) allein 1959 mindestens 546, insgesamt vermutlich weit über 1.500 neugeborene Berliner Jungen ohne evidenten medizinischen Grund an der Vorhaut beschnitten. Von ihnen wird wohl kaum ein Aufschrei ähnlich dem missbrauchter Jungen in Klöstern und Internaten zu erwarten sein. Man darf davon ausgehen, dass die Betroffenen von diesem „Experiment“ nicht die geringste Ahnung haben.

Die „Rechtfertigung“ dafür war damals so irrational wie heute: Man wolle damit (Penis-) Krebs vorbeugen, heißt es in entsprechenden Unterlagen – einer Krankheit, die extrem selten auftritt und wenn, dann fast ausschließlich im hohen Alter.

Die Beschneidungen in der DDR-Hauptstadt endeten abrupt im Jahre 1962. Die einzige von den Amerikanern zur Verfügung gestellte Gomco-Klemme war irreparabel defekt. Eine Neuanschaffung war wegen der Abschottung der DDR nicht möglich, ein Nachbau ebensowenig.

Ob weitere DDR-Kliniken in dieses „Experiment am lebenden Kind“ eingebunden waren ist derzeit noch unklar. Einiges spricht dafür.

Obwohl Phimose-OP’s in der DDR ohnehin selten vorkamen, sind nach der gescheiterten „Beschneidungsmission“ keine negativen Folgen für nicht beschnittene Jungen und Männer bekannt geworden. Weder Peniskrebs noch andere Krankheiten, denen Beschneidung angeblich vorbeugen soll, traten häufiger auf – im Gegenteil! Glück im Unglück für so manchen später geborenen Berliner Jungen…

Freigegeben in Der Schnitt
Samstag, 17 Januar 2015 00:00

Der Autor über das Buch

"Die Beschneidung von Mädchen, vor allem in Afrika, aber auch anderswo in aller Welt, wird schon seit langem zu Recht kritisiert und geächtet. Insbesondere der Roman „Wüstenblume" von Waris Dirie führt die Folgen dieses grausamen Rituals, gegen das viele Organisationen seit Jahren ankämpfen, besonders drastisch vor Augen.

Demgegenüber ist die Jungenbeschneidung nach wie vor höchst selten Gegenstand gesellschaftlicher Diskussionen.

Meist fallen in diesem Zusammenhang Sätze wie: „Es ist schließlich nur ein ganz kleiner Eingriff, der hygienisch nur Vorteile bringt und zudem schnell wieder verheilt."

In der Tat wird eine Jungenbeschneidung in der Regel als etwas „ganz Normales" dargestellt, selbst in bedeutenden Romanen der Weltliteratur. So beginnt beispielsweise John Irwing’s „Gottes Werk und Teufels Beitrag" damit, dass auf einer Säuglingsstation alle neugeborenen Jungen unmittelbar nach der Geburt ganz selbstverständlich beschnitten werden.

Dass eine Beschneidung jedoch ein - im wahrsten Sinne des Wortes - sehr einschneidendes Erlebnis im Leben eines Jungen sein kann und von den Betroffenen nicht nur als positiv, ja mitunter sogar als sexuelle Verstümmelung empfunden wird, wird häufig übersehen.

Da Jungen in aller Regel vor der Pubertät beschnitten werden, fehlt den meisten die Vergleichsmöglichkeit des sexuellen Lustempfindens mit einem intakten Penis. „Der Schnitt" erzählt von einem Jungen, dessen Vorhautentfernung genau in die Zeit der Pubertät fiel. Manuel schreibt über seine Gefühle und die mit der Beschneidung verbundenen Folgen, über den Umgang mit Mädchen sowie über die eigene sexuelle Identität und das Gefühl „anders" zu sein, das er auch später nie wirklich los wurde.

Der aktuelle Anlass, dieses Buch zu verfassen, war der tragische Tod des kleinen Franjo, der im Anschluss an seine Beschneidung sterben musste und der Auftakt des Prozesses gegen die behandelnde Ärztin in Hamburg.

Dieses Buch soll weder als Anklage verstanden werden, noch als Versuch, in irgendeiner Weise die Beschneidungen von Männern und Frauen miteinander zu vergleichen oder die Beschneidung von Jungen in anderen Kultur- und Religionskreisen zu kritisieren. Es will lediglich den Fokus auf ein Tabuthema lenken, über das in Deutschland immer noch weitgehend Unkenntnis herrscht."

Lukas Stoermer, März 2009

Freigegeben in Der Schnitt

Einem Bericht der römischen Tageszeitung "La Republica" zufolge haben zwei Fälle von Säuglingsbeschneidungen mit tödlichem Ausgang zum Streit über den Umgang mit religiös motivierten chirurgischen Eingriffen geführt.

Ein zwei Monate alter Sohn einer Nigerianerin war - nach dem seiner Vorhaut in einer Privatwohnung abgeschnitten wurde - in einem Krankenhaus verblutet. Mohammed Nour Dachan hat darauf dioe kühne Forderung erhoben, derartige Eingriffe in die staatlich garantierte Grundversorgung aufzunehmen.

Hier hat er die Rechnung ohne die resolute Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Francesca Martini gemacht, sie verurteilte Beschneidungen als "barbarisch, primitiv und nutzlos", als "rückständige Praktiken ohne Grundlage". Parlamentarier der Regierungskoalition gingen sogar so weit, ein generelles Verbot aller Beschneidungen zu fordern, zogen jedoch den Zorn der italienischen Rabbinervereinigung auf sich.

Freigegeben in Internationale Meldungen
Freitag, 26 Dezember 2014 00:00

Schmerzhaft. Und schmerzhaft anzusehen

Hatten Sie nach der Operation Schmerzen, Andreas?

Andreas: Die ersten Minuten nach dem Aufwachen sind unangenehm. Man fühlt sich taub und dann kommt das Brennen und ich erinnere mich daran, dass ich ganz dringend auf die Toilette musste, aber nicht durfte. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat dann eine Krankenschwester den Verband recht unsanft (und schmerzhaft) entfernt und ich durfte endlich. Wobei das auch nicht angenehm war, weil es wiederum sehr weh tat und auch blutete. Die Wunde selbst tut einige Tage weh. Auch das Ziehen der Fäden (meist dann ohne Narkose) schmerzt.

Um das, worüber wir reden, besser verstehen zu können, verweisen wir auf ein Internetvideo, das eine Beschneidung zeigt. Es ist unter http://vimeo.com/22940047 zu sehen - und zu hören. Es ist aber nichts für zart besaitete Gemüter. Sven, können Sie etwas zu der Beschneidung im Video sagen?

Sven: Es zeigt eine "routinemäßige" Beschneidung eines Säuglings aus den USA, vermutlich nicht aus religiösen Gründen. Das Baby ist auf einer Plastikschale festgeschnallt und kann dadurch weder Arme noch Beine bewegen. Eine ausreichende Betäubung findet - offensichtlich - nicht statt. Bei ca. 40 Sekunden ist zu sehen, wie die Vorhaut von der Eichel getrennt wird. Dies ist für sich genommen häufig schon recht schmerzhaft. Bei 1:50 wird dann die Vorhaut auf der Oberseite eingeschnitten, was ebenfalls sehr schmerzhaft ist. Im weiteren Verlauf wird die Vorhaut mit Hilfe einer GOMCO-Beschneidungsklemme entfernt und die verbleibenden Hautreste werden aufeinander gepresst. Das Originalvideo dauert gut 13 Minuten und soll dabei auch die Schmerzausschaltung zeigen. Es würde allerdings allein 10 Minuten dauern, bis das Mittel seine Wirkung entfaltet. Das angebliche Schmerzmittel dürfte in Wirklichkeit nur ein Schutz vor Infektionen sein, wie er üblicherweise vor Operationen auf die Haut aufgebracht wird. Das Baby ist also während des kompletten Eingriffes bei vollem Bewusstsein. Es handelt sich jedenfalls um den "ganz normalen Fall" einer US-amerikanischen Säuglingsbeschneidung.

Für mich ist das ein sehr verstörendes Videodokument. Aber ich denke, viele wissen gar nicht, dass eine Beschneidung so abläuft.

"Bei einer Herzoperation an einem Baby fragen wir das Kind ja auch nicht, ob es den Eingriff will."

(David Goldberg, orthodoxer Rabbiner und religiöser Beschneider in Hof, Bayern)

Kommentar:

Man muss sich die Frage stellen, ob man auf einen derart hanebüchenen Unsinn überhaupt eingehen soll. Die Aussage soll dennoch hier stehen bleiben, um zu dokumentieren, welche Argumente sich die Befürworter von nicht-therapeutischen Beschneidungen anzuführen nicht entblöden.

Und falls tatsächlich jemand von diesem Einwand beeindruckt sein sollte, dann sollte er einmal darüber nachdenken, ob er eine Herzoperation an einem Baby befürworten würde, die ein anderes Ziel hat als das Leben des Babys zu retten.

Freigegeben in Rituelle Beschneidung
Mittwoch, 30 Juli 2014 00:00

Was ist Säuglingsbeschneidung?

Die Säuglingsbeschneidung ist eine vor allem in den USA verbreitete „prophylaktische“ und radikale Beschneidung der Vorhaut bei männlichen Säuglingen meist unmittelbar nach der Geburt. Medizinische Gründe, die eine vorsorgliche Beschneidung rechtfertigen, gibt es nicht. Der ursprüngliche Anlass für diese Praktik bestand in einer Bestrafung und Erschwerung der damals unerwünschten Masturbation. Die später als Rechtfertigung herangezogenen Vermutungen, ein beschnittener Penis sei hygienischer bzw. durch eine Beschneidung könnten Penis- und Gebärmutterhalskrebs verhindert werden, haben sich als haltlos erwiesen.

Aktuell werden etwa 60 % der US-amerikanischen Jungen beschnitten.

Die Beschneidung erfolgt oft unmittelbar nach der Geburt. Die Jungen werden dazu oft gar nicht oder nur unzureichend betäubt.

Die Beschneidung ist für das Baby sehr schmerzhaft.

Der Junge wird mit weit gespreizten Beinen rücklings auf eine spezielle Unterlage gelegt und mit Klettbändern an Armen und Oberschenkeln „auf der Unterlage befestigt“, damit er sich nicht bewegen kann.

Bei dem, was nun geschieht, schreien viele der kleinen Jungen verzweifelt, manche sind jedoch sehr still, weil sie in einen komaähnlichen Schockzustand verfallen – eine Schutzreaktion des Gehirns bei extremen Schmerzen.

Zuerst wird die bei kleinen Jungen verklebte Vorhaut von der Eichel gelöst, wobei die empfindliche Eicheloberfläche nicht selten erheblich verletzt wird. Fast alle männlichen Babys haben eine natürliche Vorhautverengung. Daher lässt sich ihre Vorhaut auch nach Lösen der Verklebung nicht zurückziehen und die Vorhaut muss mit einem Skalpell oder einer Schere längs bis zum hinteren Eichelrand aufgeschnitten werden. Nun wird die Vorhaut vollständig nach hinten gezogen und mittels spezieller Beschneidungsinstrumente abgeklemmt und abgetrennt.

Beispiel: Beschneidung mit Gomco-Klemme

Diese Operation dauert ca. 10 – 20 min. – länger, als Du brauchst, um diesen Text zu lesen. Der Junge ist während der ganzen Zeit bei vollem Bewusstsein – sofern er nicht bereits vor Schmerz in Ohnmacht gefallen ist!

Die aufgeschnittene Vorhaut wird hinter die Eichel zurückgezogen, so dass die Eichel vollständig frei liegt. Nun wird eine kleine Metallglocke über die Eichel gestülpt und die Vorhaut darüber wieder nach vorn gezogen und an der Spitze befestigt, damit sie nicht mehr nach hinten rutschen kann und straff über die Glocke gespannt bleibt.

Dann wird ein Metallring über die Glocke geschoben. Jetzt befindet sich die Glocke unter der Vorhaut, während der Metallring den Penis von außen „festhält“.

Die Klemme kann durch eine Stellschraube so angezogen werden, dass ihr Durchmesser kleiner wird und die Vorhaut mit hohem Druck auf die Oberfläche der Glocke gepresst wird. Diesen Zustand muss der Junge ca. 5 min. ertragen – danach ist die Blutversorgung der Vorhaut komplett unterbrochen.

Schließlich wird die Vorhaut in Höhe des hinteren Eichelrandes mit einem Skalpell abgeschnitten und die Klemme sowie die Glocke danach entfernt.

Mitunter ist nun noch ein weiterer Schnitt erforderlich, um den Rest des Vorhautbändchens an der Unterseite der Eichel zu entfernen.

Freigegeben in Die Vorhaut von A bis Z

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